KRIMINACHT AULENDORF AM 13.03.2020 – Abgesagt

Abgesagt – Aus gegebenem Anlass #corona wird die „Kriminacht“ abgesagt und auf den Herbst verschoben. Karten behalten Ihre Gültigkeit oder können in der Buchhandlung Rieck zurückgegeben werden.

Meine nächste Lesung findet im Rahmen der Kriminacht Aulendorf in der „Spielerei“ in Aulendorf statt.
Mit dabei sind Bernd Weiler, Uli Herzog und Flo Angele.
Ich freue mich auf das ein oder andere bekannte – und unbekannte – Gesicht!

Weitere Info beim Veranstalter  Wirtshaus Schalander und auch in der Buchhandlung Rieck.

 

TATORT: SAMMLUNG DOMNICK

Meine nächste öffentliche Lesung findet im Rahmen der Nürtinger Krimizeit am Sonntag, den 9. Februar 2020,
um 17:30 Uhr in der Villa von Ottomar und Greta Domnick in Nürtingen statt. Es wäre schön, den einen oder die andere meiner Leser und Leserinnen dort zu sehen :)

 

Die Villa von Ottomar und Greta Domnick ging nach ihrem Tod in ein „Museum für Wohnen“ über, eine wunderbare Kombination aus moderner Architektur und europäischer Kunst.

BRUDERHERZ: Krimi als E-Book und Taschenbuch

Bruderherz ist der erste Band einer neuen Krimiserie, die abwechselnd aus der Perspektive von Bad Cop Colin und Good Cop Joy erzählt wird. Er ist der böse Bulle. Sie die Gute. Oder nicht?

E-Book  und Taschenbuch bei Amazon:
https://amzn.to/2QUGS7f

DU WILLST FLIEGEN, BABY?
DANN HAB KEINE ANGST VOR DER TIEFE. NUTZE DIE SCHWERKRAFT ALS MITTEL DEINER ERHEBUNG.

Joy ging den Weg zur Alten Mühle hinauf. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Es knackte. Im Gebüsch hatte sich etwas bewegt. Ein Eichhörnchen? Ein Vogel? Plötzlich fröstelte sie. Der Weg schien von Sekunde zu Sekunde dunkler zu werden. Die Alte Mühle ragte schwarz in den Abendhimmel empor.
„Pirat?“, rief sie, doch sie konnte den kleinen Hund nirgends erkennen.
Knack.
Da, war da nicht ein Schatten vorbeigehuscht? Joy wich zurück. Da hatte sich doch etwas bewegt, oder nicht? Angestrengt starrte sie in das Unterholz hinein und lachte hysterisch auf, als ein Vogel daraus hervorhüpfte.
Was ist los mit dir, Baby? Es gibt keine Monster. Im Schatten lauert nichts als deine eigene Angst.
Joy wusste das. Trotzdem klang ihre Stimme schärfer, als sie rief: „Pirat! Wo steckst du?“
Es raschelte auf der anderen Seite des Weges. Wieder hörte sie es: Knack! Joy fuhr herum. Diesmal lachte sie vor Erleichterung: Durch eine lichte Stelle im Unterholz kam Pirat schwanzwedelnd auf sie zu.
„Da bist du ja endlich, du kleiner Ausreißer!“
Joy bückte sich, um ihren Hund auf den Arm zu nehmen, doch bevor sie den kleinen, festen Leib zu packen bekam, bewegte sich der Beagle zielstrebig auf den Busch zu. Plötzlich blieb er reglos stehen, den Blick in das dunkle Gehölz gerichtet.
„Na komm, Pirat, lass die Eichhörnchen“, sagte Joy.
Der Hund begann zu knurren.

ICH BIN MEIN HIMMEL UND MEINE HÖLLE.

Colin stapfte durch den Acker direkt auf die Männer zu, die in der Morgendämmerung um die Leiche herum standen.
Fuck! Was ist das?
Zischend sog er die Luft ein. Lansky hatte den Strahl der Lampe auf eine große, klaffende Wunde gerichtet, so dass Colins nichts anderes wahrnehmen konnte als dieses Loch.
Er starrte darauf.
Der Tote lag rücklings auf dem Acker, die Wunde klaffte zwischen seinen Beinen. An den Rändern war das Blut bereits geronnen, in der Mitte glänzte es noch dunkel und feucht. Ein Stück Knochen ragte heraus, darüber hing etwas Weiches, Rundes.
„Scheiße“, fluchte Colin und reichte den beiden Polizisten die Hand.
„Anton Maier“, sagte der erste. Fast schlug er die Hacken zusammen, als er hinzufügte: „Freut mich, Kommissar Westheim. Wir haben telefoniert.“
Colin nickte. Den Namen des anderen Polizisten mit der großen Brille vergaß er sofort wieder.
„Ist es das, wonach es aussieht?“, fragte Colin den Arzt und reichte ihm ebenfalls die Hand.
„Doktor Erwin Frommer“, stellte der sich vor. Mit einem Blick auf seine Notizen erklärte er: „Wenn Sie damit meinen, Herr Westheim, dass dem Mann die Genitalien abgeschnitten wurden, dann ja.“ Er rückte seine goldene Brille zurecht. „Hoden, Hodensack und Penis fehlen. Außerdem gibt es dumpfe Schlagverletzungen im Gesicht und im Bereich des Brustkorbs. Nach meinem Dafürhalten sind die Schlagverletzungen aber nicht tödlich gewesen. Todesursache war ein hypovolämischer Schock. Auf gut Deutsch: Er ist verblutet.“

STILLE NACHT

Ein Weihnachtskurzkrimi von Silke Nowak

Belinda und er schenkten sich schon lange nichts mehr zu Weihnachten. Der Ring, den er ihr am Heiligabend vor sieben Jahren geschenkt hatte, war nicht ganz ihr Geschmack gewesen. Sie mochte kein Gold, hatte er an diesem Abend erfahren, nur Silber. Außerdem hatte er nicht gepasst. Sie hatte ihn einfach nicht über den Ringfinger bekommen, der mit den Jahren kräftiger geworden zu sein schien. Im nächsten Jahr hatte er ihr dann Unterwäsche geschenkt, ein letzter Versuch, um ihr zu zeigen, dass er sie immer noch begehrte. Doch auch die war nicht ganz ihr Geschmack gewesen; und gepasst hatte sie auch nicht.
Wenn er es recht bedachte, hatte eigentlich nie etwas gepasst. Aber nach dreißig Jahren Ehe, da trennte man sich nicht so einfach. Da wurde halt passend gemacht, was nicht passte. Das war der Schlüssel zum Glück, einfach die Dinge verändern, bis sie sich fügten. Leider hatte er das viel zu spät erkannt, sonst hätten Belinda und er viel mehr von diesen friedlichen Weihnachtsabenden feiern können, wie es heute einer war.
Der Baum leuchtete festlich, die Musik spielte leise im Hintergrund und er hatte sein bequemes Lieblingshemd angezogen. Belinda hielt sich schon den ganzen Tag über zurück; sie hatte noch kein Wort darüber verloren, dass sie Blasmusik schrecklich fand und sein kariertes Hemd unmöglich. Nicht einmal der Baum stand schief.
Nur beim Essen, da würde er einen Kompromiss eingehen müssen. Belinda zuliebe war alles, was heute auf den Tisch kam, Tiefkühlkost. Das wäre zeitsparend und außerdem gesund, sagte sie immer. Der Ofen heizte bereits vor. Es würde den Rehbraten geben, den Belinda letzte Woche eingefroren hatte, dazu Erbsen und die guten Kroketten.
Im Prinzip war alles da für ein gelungenes Festessen. Doch etwas fehlte noch. Er ging in den Keller, wo die alte, rechteckige Gefriertruhe stand, öffnete den Deckel und sagte: „Entschuldigung, mein Schatz. Ich bräuchte noch etwas Petersilie.“ Den Kopf verdreht und die Beine seltsam angewinkelt lächelte sie ihn an. Die hundertzwanzig auf achtzig Zentimeter große Truhe war im Prinzip zu klein für eine ausgewachsene Frau. Doch was nicht passte, hatte er halt passend gemacht.

veröffentlicht in: Südfinder, Mittwoch, 18. Dezember 2019, S. 4.