BRUDERHERZ: Das E-Book ab sofort zum Download

Bruderherz ist der erste Band einer neuen Krimiserie, die abwechselnd aus der Perspektive von Bad Cop Colin und Good Cop Joy erzählt wird. Er ist der böse Bulle. Sie die Gute. Oder nicht?

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DU WILLST FLIEGEN, BABY?
DANN HAB KEINE ANGST VOR DER TIEFE. NUTZE DIE SCHWERKRAFT ALS MITTEL DEINER ERHEBUNG.

Joy ging den Weg zur Alten Mühle hinauf. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Es knackte. Im Gebüsch hatte sich etwas bewegt. Ein Eichhörnchen? Ein Vogel? Plötzlich fröstelte sie. Der Weg schien von Sekunde zu Sekunde dunkler zu werden. Die Alte Mühle ragte schwarz in den Abendhimmel empor.
„Pirat?“, rief sie, doch sie konnte den kleinen Hund nirgends erkennen.
Knack.
Da, war da nicht ein Schatten vorbeigehuscht? Joy wich zurück. Da hatte sich doch etwas bewegt, oder nicht? Angestrengt starrte sie in das Unterholz hinein und lachte hysterisch auf, als ein Vogel daraus hervorhüpfte.
Was ist los mit dir, Baby? Es gibt keine Monster. Im Schatten lauert nichts als deine eigene Angst.
Joy wusste das. Trotzdem klang ihre Stimme schärfer, als sie rief: „Pirat! Wo steckst du?“
Es raschelte auf der anderen Seite des Weges. Wieder hörte sie es: Knack! Joy fuhr herum. Diesmal lachte sie vor Erleichterung: Durch eine lichte Stelle im Unterholz kam Pirat schwanzwedelnd auf sie zu.
„Da bist du ja endlich, du kleiner Ausreißer!“
Joy bückte sich, um ihren Hund auf den Arm zu nehmen, doch bevor sie den kleinen, festen Leib zu packen bekam, bewegte sich der Beagle zielstrebig auf den Busch zu. Plötzlich blieb er reglos stehen, den Blick in das dunkle Gehölz gerichtet.
„Na komm, Pirat, lass die Eichhörnchen“, sagte Joy.
Der Hund begann zu knurren.

ICH BIN MEIN HIMMEL UND MEINE HÖLLE.

Colin stapfte durch den Acker direkt auf die Männer zu, die in der Morgendämmerung um die Leiche herum standen.
Fuck! Was ist das?
Zischend sog er die Luft ein. Lansky hatte den Strahl der Lampe auf eine große, klaffende Wunde gerichtet, so dass Colins nichts anderes wahrnehmen konnte als dieses Loch.
Er starrte darauf.
Der Tote lag rücklings auf dem Acker, die Wunde klaffte zwischen seinen Beinen. An den Rändern war das Blut bereits geronnen, in der Mitte glänzte es noch dunkel und feucht. Ein Stück Knochen ragte heraus, darüber hing etwas Weiches, Rundes.
„Scheiße“, fluchte Colin und reichte den beiden Polizisten die Hand.
„Anton Maier“, sagte der erste. Fast schlug er die Hacken zusammen, als er hinzufügte: „Freut mich, Kommissar Westheim. Wir haben telefoniert.“
Colin nickte. Den Namen des anderen Polizisten mit der großen Brille vergaß er sofort wieder.
„Ist es das, wonach es aussieht?“, fragte Colin den Arzt und reichte ihm ebenfalls die Hand.
„Doktor Erwin Frommer“, stellte der sich vor. Mit einem Blick auf seine Notizen erklärte er: „Wenn Sie damit meinen, Herr Westheim, dass dem Mann die Genitalien abgeschnitten wurden, dann ja.“ Er rückte seine goldene Brille zurecht. „Hoden, Hodensack und Penis fehlen. Außerdem gibt es dumpfe Schlagverletzungen im Gesicht und im Bereich des Brustkorbs. Nach meinem Dafürhalten sind die Schlagverletzungen aber nicht tödlich gewesen. Todesursache war ein hypovolämischer Schock. Auf gut Deutsch: Er ist verblutet.“