Kategorie-Archiv: Penelopes Tod

Nominierung für Leserpreis für „Penelopes Tod“

 

Lovelybooks Leserpreis 2015

Das ist schön! Mein Buch „Penelopes Tod“ ist für den Leserpreis auf LovelyBooks.de nominiert, dem größten Publikumspreis für Neuerscheinungen im deutschsprachigen Raum. Dabei entscheidet keine Fachjury über die Preisträger, sondern ganz allein Ihr, die Leser.
Jetzt brauche ich eure Unterstützung: Wem mein Buch „Penelopes Tod“ gefallen hat, der kann noch bis zum 24. November auf http://www.lovelybooks.de/leserpreis/2015 dafür in der Kategorie Krimi/Thriller abstimmen. Jede Stimme zählt!

Penelopes Tod. Thriller

Thriller "Penelopes Tod" - Titel„Seite um Seite verschlingt man, und kaum kommt man ein wenig zur Ruhe, knallt einem schon der nächste Hammer entgegen. Ein genialer Thriller!
(Catmaniac, Top 500 Rezensent, amazon)

Sehr spannend, detailreich geschrieben mit hohem Unterhaltungsfaktor! Absolut lesenswert!
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„Ich bin begeistert. Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen.“
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„Eine emotionale Achterbahnfahrt.“
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Schwäbische Zeitung vom 20.11.2015
Thriller spielt in der Karibik Penelopes Tod

 

Penny und Chris Winter gelten als Traumpaar. Aber ein Schicksalsschlag verändert ihr Leben: Chris erleidet beim Segeln einen Schlaganfall und Penny ist bereit, alles für ihn zu tun. Doch dann entdeckt sie, dass er ihr offenbar jahrelang etwas vorgespielt hat.
Während Chris sich zurück ins Leben kämpft, wird Penny von den Dämonen einer Vergangenheit heimgesucht, die ihr alles zu nehmen drohen: ihre Liebe, ihre Hoffnung – und schließlich auch ihr Leben.

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Penelopes Tod

1

Es war der 6. Februar, ein Montag. Diesen Tag werde ich wohl niemals vergessen. Es war der letzte schöne Tag in meinem Leben.
„Penny“, rief Chris. „Komm doch rein!“
Wenn ich heute meine Augen schließe, sehe ich Chris, wie er mir aus dem Wasser zuwinkt, bevor er untertaucht. Ich sehe sein Lächeln und seine rote Badehose, die unter der Oberfläche zu zerfließen scheinen. Ich höre wieder seine Stimme:
„Penny! Nun mach schon! Komm rein!“
Der Himmel war blau, die Sonne schien, und das Meer gab einem die Illusion, frei zu sein. Wir ankerten vor Petite Asjombra, einer kleinen, unbewohnten Insel in der Karibik. Der Name war ein Mix, wie vieles in der Karibik, in dem das spanische Wort asjombra steckte: das Erstaunen. Denn die Insel war auf der einen Seite sanft und zugänglich – es gab da eine Bucht mit weißem Sand, funkelndem Wasser und sich wiegenden Palmen, die zu den schönsten auf den Kleinen Antillen zählte. Auf der anderen Seite war sie tödlich. Eine Steilküste aus schwarzem Vulkangestein türmte sich dreißig Meter in die Höhe. Es hieß, früher hätten die Piraten hier ihre Gefangenen in den Tod geschickt.
„Das Wasser ist ganz warm“, hörte ich Chris wieder.
„Später“, rief ich und gähnte. Ich hatte es mir in der Trampolinfläche am Bug bequem gemacht und döste vor mich hin. Unser Katamaran lag ruhig im Wasser, es war elf Uhr vormittags, und die Wellen plätscherten gegen den Rumpf.
Irgendwo schrie ein Vogel.
Ich war müde.
Am Tag zuvor war ich über fünfzehn Stunden unterwegs gewesen. Trotz der Zeitverschiebung war ich erst spät abends auf St. Barth gelandet. Die Insel konnte von Europa aus nicht direkt angeflogen werden, weil die Landebahn hinter einer Hügelkette lag, nur 640 Meter lang war und direkt im Meer endete. Also war ich von Zürich über Paris nach St. Martin geflogen, eine Nachbarinsel, auf der eine Boeing 747 eigentlich auch nicht landen konnte, es aber trotzdem tat. Deshalb gehörte der Princess Juliana International Airport auf St. Martin zu den gefährlichsten der Welt: Die Landebahn betrug nur 2180 Meter und begann unmittelbar hinter einem öffentlichen Strand. Es war jedes Mal ein Erlebnis, wenn so eine Boeing über die Köpfe der Badenden hinwegdonnerte. Die Piloten brauchten eine spezielle Lizenz, um dort landen zu dürfen, und die Flugbegleiterinnen gute Nerven.
„Penny, rette mich!“
„Später“, rief ich, ohne nach Chris zu sehen. Ich war Flugbegleiterin, und ich hatte gute Nerven.
Von St. Martin nach St. Barth war es nur noch ein Katzensprung. Chris hatte mich mit der Cessna eines „Freundes“ abgeholt, wie er den Mann nannte, den ich noch am selben Abend kennenlernen sollte: Gerrit Huisman. Bis dahin wusste ich nur, dass er ein reicher Niederländer war, der ab und zu geschäftlich in der Karibik zu tun hatte. Das Übliche eben. Allein die Ehrfurcht, mit der Chris über seinen neuen Freund sprach, war ungewöhnlich. Heute weiß ich, dass es Angst war.
Ein leichter Wind kam auf.
St. Barth galt als die Insel der Prominenten und Superreichen. Was er denn da wolle, hatte meine Schwester Sandra gefragt, als ich ihr von Chris’ neuestem Winterquartier erzählt hatte. Segeln, hatte ich geantwortet. Segeln könne man auch auf dem Bodensee, hatte sie gemeint.
Alles war ruhig. Nur das Wasser plätscherte.
Meine Schwester war vier Jahre älter als ich und schon immer die Klügere gewesen. Sandra war Politikwissenschaftlerin an der Universität Konstanz und verbrachte ihre Urlaube meist in der Nähe des Bodensees. Als Wissenschaftlerin war sie in die Fußstapfen unserer Mutter getreten, die Gräzistik studiert hatte, bevor sie Hausfrau geworden war. Trotzdem hatte meine Mutter uns nie das Gefühl gegeben, wegen uns auf etwas verzichtet zu haben. Allein der Umstand, dass sie meine Schwester Kassandra und mich Penelope taufen ließ, gab mir zu denken. Manchmal kam es mir fast wie ein Protest gegen das schöne Leben vor, das sie doch geführt hatte. Als Kinder waren uns die Namen einfach nur peinlich gewesen. In dem oberschwäbischen Dorf, in dem wir aufgewachsen waren, hieß man damals Julia, Nadine oder Tanja. Für meine Schwester war es leicht gewesen, anstatt Kassandra nur Sandra genannt zu werden, zumal sie sich schon als Kleinkind geweigert hatte, die Vorsilbe Ka- auszusprechen. Mich retteten die Comics, die monatlich bei der Volksbank zu haben waren: Marc & Penny. Mein Spitzname erhielt dadurch eine gewisse Popularität, und bald wusste niemand mehr, wie ich wirklich hieß.
Heute frage ich mich, ob unsere Namen mich und meine Schwester nicht stärker prägten, als uns lieb war.
Kassandra, die stets das Unheil voraussah.
Penelope, die zehn Jahre auf die Rückkehr ihres Mannes gewartet hatte.
Die Sonne stieg immer höher. Obwohl ich im Schatten lag, wurde es langsam heiß. Doch die Hitze machte mir nichts aus, im Gegenteil, nach den langen, kalten Wintermonaten in Deutschland sehnte ich mich nach der Wärme.
Und nach Chris.
Ich lauschte. Nur das Schreien der Vögel war zu hören.
Ich setzte mich auf. Mit der Hand schirmte ich meinen Blick gegen die Sonne ab, doch ich konnte ihn nirgends mehr entdecken. Irgendwo schlug ein Seil gegen einen Pfosten, es war ein helles, metallisches Geräusch. Wahrscheinlich war Chris auf die Insel geschwommen und hatte sich dort in den Schatten einer Palme gelegt und …
„Bist du verrückt!“, schrie ich.
Chris war unter dem Trampolin aufgetaucht und spritzte mich nass. Seine kalte, feuchte Hand griff nach meinem Fuß.
„Verrückt nach dir“, sagte er.
Ich sagte nichts, aber ich öffnete mein Bikinioberteil. Dann legte ich es ab, danach das Höschen und zuletzt das Geständnis, dass ich ihn immer noch liebte. Und dass ich ihn vermisst hätte in den letzten Wochen.
Chris zog sich auf das Trampolin hoch und fiel keuchend und nass neben mir ins Netz. Dann zog er seine Badehose aus. Hier, mitten im Paradies, sechzig Kilometer vor dem Hafen von St. Barth, waren wir vollkommen ungestört.
„Ach Penny“, seufzte er und sah mich an.
Chris war im Sternzeichen Wassermann geboren, ich im Widder. Eine Wahrsagerin hatte uns vor Jahren auf einem Markt in Marokko eine ungewöhnlich glückliche Ehe prophezeit – und sie hatte recht behalten. Obwohl wir seit zehn Jahren verheiratet waren, brachte es mich immer noch aus dem Konzept, wenn er mich so ansah, als wäre ich eine Fremde. Seine Augen waren von einem hellen, intensiven Blau und wirkten wie zwei Fenster zum Himmel.
„Müssen wir da heute Abend wirklich hin?“, fragte ich.
„Huisman ist nicht irgendwer“, sagte er und begann, meine Schulter zu küssen. „Ihm gehört die halbe Insel.“
„Und wenn schon.“
„Du wirst ihn mögen“, versprach Chris und küsste meine Brüste. „Und seine Frau auch.“
Ich schloss meine Augen und flüsterte: „Kommst du zu Papas Geburtstag nach Hause?“
„Ach Penny“, sagte er wieder. Dann legte er sich auf mich und drang langsam in mich ein.

2

Um kurz nach acht saßen Chris und ich in einem der Hafen-Cafés von St. Barth und tranken einen Hibiscus zur Einstimmung auf den Abend. Der Hibiscus war damals der Kult-Cocktail auf St. Barth, eine Mischung aus Rum, Baileys, Kokos und Grapefruit. Chris und ich hielten uns an den Händen wie ein frisch verliebtes Pärchen. Gegenüber lagen die Millionärs-Yachten, ihre weißen, glatten Flächen ragten in den Abendhimmel. Die untergehende Sonne ließ sie glutrot aufleuchten.
Wenn heute die Sonne untergeht, schließe ich meine Augen und bete zu Gott.
„War das nicht eben Kate Moss?“, fragte ich.
Chris verdrehte die Augen. Die Diskretion gehöre zum Verhaltenskodex der wirklich reichen Leute hier, erklärte er mir. Da gehören wir ja zum Glück nicht dazu, erwiderte ich und lachte. Früher hätte Chris mit mir zusammen gelacht, an diesem Tag schwieg er. Mit Sorge beobachtete ich, wie er sich immer mehr am Lebensstil dieser Leute orientierte. Deshalb stand ich dem Abend auch skeptisch gegenüber.
„Da drüben liegt sie“, sagte er.
„Wer?“
„Die Yacht von Huisman.“
„Du meinst aber nicht die Sanlorenzo?“, fragte ich.
„Genau die.“
Yachten bedeuteten mir nichts, aber seit Chris zum Seemann geworden war, wusste ich, was eine Sanlorenzo war. Die Schiffe wurden in Italien gebaut und waren so etwas wie die Ferraris unter den Yachten. Diese hier hatte eine elegante, aber geschlossene Form. Die Fenster waren Schlitze aus schwarzem, verspiegeltem Glas. Die niederländische Fahne war gehisst.
„Beeindruckend“, sagte ich und schnalzte mit der Zunge.
Chris ließ meine Hand los. Etwas stimmte nicht mit ihm.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich.
Er gab keine Antwort. Stattdessen zündete er sich einen Zigarillo an und zog gierig daran. Damals fiel mir auf, dass die Hand, mit der er den Zigarillo hielt, leicht zitterte. Ich schüttelte stumm den Kopf, mehr brauchte es nicht, um meine Missbilligung zum Ausdruck zu bringen. Chris’ Blick war stur in die untergehende Sonne gerichtet. Dass er zu viel rauchte, wusste er, und ich hatte es aufgegeben, ihn daran zu erinnern.
„Warum hat dieser Huisman uns eigentlich eingeladen?“, fragte ich. „Gibt es etwas Besonderes?“
„Er will dich kennenlernen.“
„Mich?“
„Er hat dich gesehen“, sagte Chris und starrte in den Himmel. „Letzten Sommer. Auf der Party von Álvarez.“ Dann öffnete er seinen Mund und ein dicker, gelblicher Rauch kroch hervor. Ansonsten bewegte sich sein Gesicht nicht, als er fragte: „War da was zwischen euch?“

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